Inhaltsverzeichnis

Lassenius, Johann - Heilige und erbauliche Passions-Andachten - Erste Woche

vorstellend

I. Die sieben Kreuzes-Spiegel
II. Die sieben Fußtapfen.

Das Feuer auf dem Altar soll brennen und nimmer verlöschen, ewig soll das Feuer auf dem Altar brennen. So wollte es Gott bei dem Brandopfer des Alten Testaments gehalten haben, z. B. Mos. 6. V. 12 f. und das Volk opferte dem Herrn Brandopfer des Abends und des Morgens, Jes. 3. V. 3.

Im Neuen Testament hat Christus für unsere Sünde ein Opfer geopfert, das ewiglich gilt, das Opfer seines Leibes; und hat mit dem einen Opfer in Ewigkeit vollendet, die geheiligt werden, Hebr. 10. V. 14.

Dadurch hat er des Vaters Zorn gestillt,
Die Sünde versöhnt,
Den Fluch in Segen verwandelt,
Des Satans Reich zerstört, ist
Der Höllen eine Pestilenz geworden,
Hat die verlorne Gerechtigkeit wiedergebracht und uns
Das ewige Leben erworben, 2 Tim. 1.

Wir sind schuldig, allezeit das Sterben des Herrn Jesu an unserm Leibe zu tragen, 2 Cor. 4. V. 10. und im Gedächtniß zu halten Jesum Christum, 2. Tim. 2. V. 8. Nicht minder ihn als ein Siegel auf unser Herz zu setzen, Hohel. 8. V. 6. Insonderheit zu dieser Zeit, da wir das Gedächtniß des allerbittersten Leidens und Sterbens unsers Heilandes zu betrachten anfangen.

Wir haben von heut an sieben Wochen bis zur Zeit des Gedächtnisses der Auferstehung unsers Seligmachers; jede Woche hat sieben Tage; des Menschen Sohn, der unter den sieben Leuchtern wandelt, Offenb. 1. V. 13.

Welcher ist der treue Zeuge,
Der da war und der da kommt, der Allmächtige,
Der Erstgeborne von den Todten,
Ein Fürst der Könige auf Erden,
Der uns je und je geliebet und
Gewaschen von den Sünden mit seinem Blute und
Uns zu Königen und Priestern gemacht hat.

Er helfe uns in diesen Wochen täglich verkündigen die Gerechtigkeit Gottes, Ps. 71. fleißig zu lesen in dem Buch, das inwendig und auswendig geschrieben und mit sieben Siegeln versiegelt ist Offenb. 5. V. 1. sein allerheiligstes Leiden und sonst nichts zu wissen als allein Jesum den Gekreuzigten, 1 Cor. 2. V. 2.

Ich aber will E. L. hierzu die Veranlassung geben und widme den Frühstunden der ersten sieben Tage der ersten Fasten-Woche

Sieben Kreuzes-Spiegel:

Mit der Bitte, in der Furcht des Herrn, mit heiliger Andacht das Kreuz und Leiden des allerheiligsten Gottes-Lammes zu betrachten: als

I. Einen Lehr -Spiegel.

Wir waren weiland nicht in Gnaden und wie die irrenden Schafe, 1 Petr. 2. V. 10. 25. Wir waren Finsterniß, Eph. 5. V. 8. und entfernt von dem Reiche Christi. Der Heiland aber hat sich selbst dargegeben für uns zur Gabe und zum Opfer, Gott zu einem süßen Geruch, Eph. 5. V. 2. Und daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, hat er Mühe und Arbeit unserntwegen auf sich genommen und selbst unsere Sünde getilgt, daß unserer Missethat nicht mehr gedacht würde. Darum nennet er sich selbst einen guten Hirten, Joh. 10. V. 2. der sein Leben für seine Schafe läßt und der gekommen zu suchen und selig zu machen, was verloren ist, Luc. 17. V. 10. Seufzet derowegen:

Liebreichster HERR JESU! Ich bin arm und nicht mehr, was ich war: durch dein blutiges Leiden aber bin ich aus einem Verstoßenen ein Auserwählter, aus einem Knechte der Sünden ein Kind der Gnaden und aus einem Verfluchten ein Gesegneter des Herrn geworden. Ich war arm, und in dir bin ich reich geworden im Glauben; durch dich habe ich einen Zugang zum Himmel und die Versicherung des ewigen Lebens. Ich will in meinem Herzen dein nimmer vergessen, mit meinem Munde dich stets erheben und meine Seele dir sammt dem Leibe zu allem Gehorsam, in völliger Liebe und Nachfolge widmen. Stärke durch deine Kraft mein Vornehmen und lehre mich, dir würdiglich nachzuwandeln auf allen Wegen des Leides und der Freude, des Lebens und Sterbens. Amen.

II. Als einen Zorn-Spiegel.

Der Zorn des himmlischen Vaters war wider Adams Fall und alle seine Nachkommen entbrannt und ergrimmt, Jes. 5. V. 25. und hatte davon sieben schreckliche Zeichen sehen lassen,

  1. An den gefallnen Engeln, die er ewig verworfen. 2. Petr. 2. V. 4.
  2. An Adam und Even, durch welche der Tod in die Welt kommen, Röm. 5. V. 12.
  3. An der ersten Welt, die er mit der Sündfluth ausgerottet, 1. Buch Mos. 7. V. 17.
  4. An Sodom und Gomorrha, die er mit Feuer vom Himmel aufgerieben, 1. Buch Mos. 11. V. 24.
  5. An Pharao, den er im Meer ersäufet, 2. B. Mos. 14. V. 28.
  6. An dem Canaanitischen Volk, das er umbringen lassen, Sir. 10. V. 18.
  7. An Jerusalem, das er gänzlich zerstöret, Luc. 19. V. 43.

Dahingegen hat Christus die Kelter des Zorns seines Vaters allein getreten, Jes. 63. V. 3. daß wir, versöhnet mit Gott, Friede und Freude haben mit seinem himmlischen Vater durch ihn, Röm. 5. V. 1. Deswegen er geworden

  1. Ein Göttlicher Erlöser: der die Gemeine Gottes mit seinem eigenen Blut erlöset hat, Apost. Gesch. 20. V. 28.
  2. Ein ewiger Erlöser: der zwar litt, als seine Stunde kommen, Joh. 12. aber von Ewigkeit her schon bestimmt war, zu sein ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, 1 Tim. 2. in dem wir auch erwählet, ehe noch der Welt Grund gelegt worden, und der eine ewige Erlösung erfunden, Hebr. 9. V. 12.
  3. Ein williger Erlöser: wie seine eigenen Worte lauten Luc. 22. V. 15. Mich hat herzlich verlanget, mit euch dies Abendmahl zu halten, und Psalm 40. V. 2 f. Im Buche stehet von mir geschrieben, deinen Willen, mein Gott, thue ich gerne.
  4. Ein beständiger Erlöser: Jesus Christus gestern und heute, und derselbe auch in Ewigkeit, Hebr. 13. V. 8. Der ein Opfer worden, das allezeit gilt, Hebr. 10.
  5. Ein allgemeiner Erlöser: ein Heiland aller Menschen, 1. Tim. 4. und eine Versöhnung, nicht allein für unsere, sondern auch für der ganzen Welt Sünde, 1. Joh. 2. So sind wir auch alle eins in Christo. Gal. 3.
  6. Ein einiger Erlöser: Denn es ist in keinem Andern Heil, ist auch kein andrer Name den Menschen gegeben, darinnen sie sollen selig werden, als allein in dem Namen Jesu Christi, Apost. Gesch. 4. V. 12.
  7. Ein blutiger Erlöser: Denn er hat mit seinem Blut ausgetilget und ausgelöscht die Handschrift, die wider uns war, Coloss. 2. V. 14. daß bei den Gläubigen keine Sünde mehr verdammlich sein soll, Röm. 8.

Durch welche Erlösung er gemacht den Tod zu einem Mörder sonder Spieß, einem Löwen sonder Zähne, einer Schlangen sonder Gift und einer Bienen sonder Stachel, und das Leben und unvergängliches Wesen wieder ans Licht gebracht hat, 2 Tim. 1. Betet derowegen:

HERR JESU! du Schönster unter den Menschen-Kindern: wir danken dir von Herzen, daß du mit deinem theuren Blute das Feuer des Zorns, womit dein Vater uns der Gerechtigkeit nach verzehren wollte, ausgelöscht hast, und wir aus dem Buche des Todes in das Buch des Lebens geschrieben worden. Hilf uns nun durch deinen Geist, so zu leben, daß wir dich und deinen himmlischen Vater nicht muthwillig erzürnen; und so wir aus Schwachheit straucheln oder irren sollten, so gedenke, o JEsu, an deine vollkommene Erlösung für uns. Lege uns von derselben zu, was uns fehlet, daß wir vor dem Angesicht deines Vaters in der Stunde des Todes und am jüngsten Tage gültig erfunden werden. Gedenke stets im besten an uns, dein so kostbar erkauftes Volk, und sei mir und allen armen Sündern allezeit gnädig und barmherzig. Amen.

III. Einen Gnaden-Spiegel.

Vorher hieß es, Lo-Ammi. ihr seid nicht mein Volk, Hos. 1. V. 9. Und was könnte der Mensch sein, daß der Herr sein gedenken sollte? Ps. 8. V. 5. Da ist nicht, der gerecht sei, auch nicht Einer. Sie sind alle abgewichen und allesammt untüchtig worden, da ist keiner, der gutes thue, auch nicht Einer, Ps. 14. V. 3. Christus aber hat durch sein Leiden und Sterben die, so unter dem Gesetz waren, erlöst, daß wir die Kindschaft empfingen, Gal. 4. Nun werden wir ohne Verdienst gerecht, aus seiner Gnade, so durch Jesum Christum geschehen ist, welchen GOtt hat vorgestellet zu einem Gnaden Stuhl, durch den Glauben in seinem Blut, Röm. 3. V. 24. Hat er nun seinen Sohn für uns dahin gegeben, wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Röm. 8. V. 32. und gesetzt, daß die Sünde mächtig geworden: Gottes Gnade ist viel mächtiger, Röm. 5. V. 2. Seufzet derohalben:

Ob bei uns ist der Sünden viel, bei Gott ist vielmehr Gnade. Ach, HERR JESU! hilf mir nach deiner Gnade und behalte mir dieselbe ewiglich; laß sie über mich kommen wie einen Morgen-Thau, der vom Himmel fällt, und erbarme dich über mich mit ewiger Gnade, in welcher du dich mit mir verlobet; thue Zion und mir wohl nach deiner Gnade, und laß mich sie finden in der letzten Stunde meines Abschiedes. HERR JESU! gedenke an mich um der Gnade, die du mit deinem Blute mir erworben, so werde ich durch dich gerecht und selig werden. Darauf hoffe ich, darin lebe ich und damit werde ich fröhlich sterben.

IV. Einen Trost-Spiegel.

Alle Menschen sind leidige Tröster, Hiob 16. V. 2. Israel aber, wer nur reines Herzens ist, hat Gott zum Trost, Ps. 73. V. 1. Zuvor war Gott zornig, nun tröstet er uns wieder, Ps. 60. V. 3. wie einen seine Mutter tröstet, Es. 66. V. 13. Nun ist die Zeit gekommen, daß die Traurigen getröstet werden, Matth. 5. Der Herr Jesus tröstet uns in aller Trübsal, 2 Cor. 1. Sein Blut macht uns rein von allen Sünden, 1 Joh. 1. So bittet er auch für uns, daß unser Glaube nicht aufhöre, Luc, 22. Sein Kreuz ist

  1. Der Verlornen Heil.
  2. Der Verwundeten Genesung.
  3. Der Gefangenen Erlösung.
  4. Der Betrübten Trost.
  5. Der Elenden Zuflucht.
  6. Der Sterbenden Leben, und
  7. Der Abscheidenden Schlüssel zum Himmel.

Seufzet darum:

HERR JESU! Deine Tröstungen ergötzen meine Seele; all meinen Trost finde ich in deinem Kreuz. Gieb mir in aller geistlichen und leiblichen Anfechtung reichen Trost von deinem Hause, und wenn mein Gewissen mich verunruhiget, laß deine Güte meinen Trost sein! Du bist der Trost aller Heiden; tröste auch mich in aller Angst, die mich treffen könnte. Ach HERR! sei allezeit meines Herzens Trost und mein Theil. Ich traue auf dich, ich glaube an dich und spreche in deinem Namen, o gekreuzigter JESU, zu meiner Seele getrost: Was betrübst du dich, mein Herz? Harre auf Gott, ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Heil gewesen. HERR! laß mich nicht zu Schanden werden.

V. Einen Lebens-Spiegel.

Jesus war Joseph und Maria unterthan in der Kindheit, Luc. 2. In seinem ganzen Leben konnte ihn Niemand einer Sünde zeihen, Joh. 8. V. 46. und er that allezeit den Willen des, der ihn gesandt hatte Joh. 4. V. 34. In seinem Umgange war er nicht mürrisch noch greulich, Jes. 42 V. 4. seine Lippen waren holdselig, Ps. 45. V. 3. Und da er getödtet wurde, that er seinen Mund nicht auf, Jes. 53. V. 7. Wer mit ihm den Willen thut seines Vaters im Himmel, ist sein Bruder, Matth. 12. V. 44. Den zu erfüllen betet:

Süßester HERR JESU, mein Meister! nach dem Vorbilde deines allerheiligsten Lebens das meinige zu richten hab ich wohl das Herz, aber weniges Vermögen; der Geist ist willig , das Fleisch schwach. Ich rufe dich deswegen an, um aller für mich in deinem ganzen Leiden vergossenen Blutstropfen halben: heilige meinen Willen durch dein Erfüllen; und weil alle meine Gerechtigkeit vor dir ist wie ein besudeltes Kleid, so ergänze meinen Willen durch das vollkommene Opfer deines Leidens. Laß mich aber durch deinen Heiligen Geist gestärkt der Sünden allezeit feind sein, daß ich dein Freund. Kind und Erbe bleibe bis in Ewigkeit.

VI. Einen Leidens - Spiegel.

Wir müssen überall viel leiden, 1 Thess. 3. und es überfällt uns oft Leiden ohne Zahl. Psalm 40. Doch weil die Welt und der Teufel Christum verfolget, Matth. 10. ist uns sein Leiden zum Vorbilde geschrieben, daß auch wir um seines Namens willen viel Schmach leiden sollen, Joh. 5. Darum müssen wir uns freuen in unserm Leiden, Coloss. 1. um desto mehr, da dieser Zeit Leiden nicht werth ist der Herrlichkeit, die an jenem Tage an uns soll offenbaret werden, Röm. 8. V. 18. Seufzet indessen.

Ich weiß nicht, o JESU! wie viel ich noch leiden werde, ehe ich sterbe? doch komme, was da wolle; ist es nur von deiner Hand, so soll mir der bittre Trank ein süßer Honig sein. Stärke mich in diesem guten Vorsatz und erinnere mich stets deines unendlichen Leidens, damit du mich deinem himmlischen Vater versöhnet, und deiner unschuldigen Schmerzen, damit du meine Schuld bezahlt hast. Sollten aber meine Kräfte unterliegen wollen, so komm mir zu Hülfe in allem Leiden mit dem süßen Andenken der Freuden, die ich bei dir haben werde, und erhalte mich in allen Trübsalen auf dem Wege der Geduld, zu thun überall, was dir wohlgefällt. Amen.

VII. Einen Todes-Spiegel.

Christus hat durch seinen Tod dem Tode die Macht genommen , das Leben und ein unvergänglich Wesen ans Licht gebracht, 2 Tim. 1. V. 10. Denn da er vollendet ist, ist er worden allen, die ihm gehorsam sind, eine Ursach zur ewigen Seligkeit, Ebr. 5. V. 9. Des Menschen Sohn mußte erhöhet werden, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben, Joh. 3. So hat uns Gott nicht gesetzt zum Zorn, sondern die Seligkeit zu besitzen durch unsern Herrn Jesum Christum, der für uns gestorben ist, auf daß wir wachen oder wir schlafen, zugleich mit ihm leben sollen, 1 Thess. 5. V. 9. Darum seufzet:

HERR JESU! ich werde auch einmal dahin gehen, wie alle Welt, und des Todes sterben; denn der Tod ist der Sünden Sold. Wenn ich nun meine Hütte ablegen werde, so gedenke an dein Wort, mein Heiland, daß du deren keinen verlieren wollest, die dir dein Vater gegeben, und laß mich zum Frieden kommen. Du bist mein Leben, laß Sterben auch meinen Gewinn sein. Meine Zeit stehet in deinen Händen. Ich sterbe dann, wann ich soll, so versüße meinen Tod durch dein bitteres Leiden und Scheiden, daß ich im Sterben an deinen Tod gedenke und durch den zeitlichen Tod den Weg zu deiner ewigen Herrlichkeit finde. Amen.

Für die Abendstunden bringe ich zum Vorschlag

Die sieben Fußtapfen,

in welche wir zu treten und dem Herrn Jesu überall nachzufolgen schuldig sind; und bitte, in heilige Betrachtung zu nehmen:

I. Die Fußtapfen der Liebe.

Niemand hat größere Liebe, denn die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde, Joh. 15. V. 13. Christus hat sein Leben gelassen für seine Schafe, Joh. 10. Und wir sind Gott versöhnet durch den Tod seines Sohnes, da wir noch seine Feinde waren, Röm. 5, V. 10. Er hat uns aber ein Beispiel gelassen, Joh. 13. daß wir nachfolgen sollen seinen Fußtapfen, 1 Petr. 2. V. 21. insonderheit unsere Feinde lieben, segnen, die uns fluchen, wohlthun denen, die uns hassen und bitten für die, die uns beleidigen und verfolgen, Matth. 5. V. 44. Luc. 6. V. 27. Röm. 12. V. 20. Betet derowegen:

Allerfreundlichster HERR JESU! erhalte mich allezeit auf deinen Fußsteigen, daß deine Liebe mein Stern und deine Holdseligkeit mein Führer sei. Laß mich lieben, die dich lieben, und nicht feind sein denen, die mich hassen; entzünde mein Herz mit aller heiligen Gegen-Liebe gegen dich, der du mich so hoch geliebet hast, und weil du für Freund und Feind gestorben. Laß mich auch allen Menschen Gutes gönnen, allen Liebe beweisen und in allem deinen himmlischen Willen erfüllen, auch dir gleich werden hier in der Liebe, bis ich in deinem Reiche dir gleich werde in Herrlichkeit. Amen.

II. Die Fußtapfen des Leidens.

Christus hat sein Leben für uns gelassen, willig und mit Freuden: Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selber. Joh. 10. V. 18. Darum verkündigte er sein Leiden den Jüngern, Luc. 18. V. 31.: Sehet, wir gehen hinauf gen Jerusalem. Wer sein Jünger sein will und ihm nachfolgen, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge ihm nach, Matth. 16. V. 24. Seufzet:

Liebreichster HERR JESU! du hast gelitten für mich; hilf, daß ich nach deinem Willen alles leide und vor nichts mich fürchte, was ich leiden soll, welcher Kampf dazu mir auch bestimmt wäre. Stehe mir bei, daß ich mich in allen geistlichen und leiblichen Anfechtungen, Kreuz und Leiden als ein getreuer Streiter erweise und mich nimmer schäme, um deines Namens willen alle Schmach zu ertragen, auch bis in den Tod glaube, daß dieser Zeit Leiden der Herrlichkeit nicht werth sind, die an jenem Tage mir wird offenbart werden. Gieb mir überall Geduld, wenn das böse Stündlein kommt, alles zu deines Namens Ehre und zu meiner Seligkeit wohl auszurichten. Amen.

III. Die Fußtapfen der Vergnüglichkeit.

Ihr wisset die Gnade unsers Herrn Jesu Christi, daß, ob er wohl reich ist, ward er doch arm um euretwillen, auf daß ihr durch seine Armuth reich würdet, 2 Cor. 8. V. 9. Er hatte nicht so viel, da er sein Haupt hinlegte, Matth. 8. Oft mußte er hungern, Matth. 21. V. 18. Kap. 25. V. 35. Marc. 11. V. 12. Es hatten weder er noch seine Jünger Geld im Gürtel, Marc. 6., darum ihn auch die Samariter nicht beherbergen wollten, Luc. 7. V. 52. Unsre Christenpflicht erfordert allerdings, mit dem Apostel sagen zu können: Ich habe gelernet, mir gnügen zu lassen mit dem, was da ist, Phil. 4. Seufzet derohalben:

HERR GOTT, himmlischer Vater, reich von Barmherzigkeit über alles, was Kinder heißt im Himmel und auf Erden! ich bitte dich von Herzen, mache mich deinem Sohne Jesu, den du lieb hast, auch in dem ähnlich, daß ich außer dem, was deine Hand und Gunst mir bescheret, nichts bitte, wünsche noch begehre; daß ich aber kindlich glaube und dir zutraue, du werdest mich mit Wenigem so wohl versorgen als Andere mit Vielem. Laß mich dagegen alle meines Herzens Freude in dir haben und JEsum meinen Theil sein; so bin ich reich genug, und wann ich sonst auf Erden auch nichts hätte.

IV. Die Fußtapfen des Gehorsams.

Siehe, ich komme, im Buche ist von mir geschrieben: Deinen Willen, mein GOtt, thu ich gerne und dein Gesetz habe ich in meinem Herzen Ps. 40. V. 8 f. Also war Christus seinem himmlischen Vater gehorsam bis zum Tode am Kreuz, Phil. 2. Gehorsam ist besser denn Opfer, 1. Sam. 15. V. 22. Und diesen sind wir Gott alle Tage schuldig. Betet derowegen:

Süßester HERR JESU! ich bringe für dich meinen Leib, mein Leben, meine Seele, meinen Geist, mein Herz und alles, was ich geistlich und leiblich besitze: heilige alles zu deinem Gehorsam, daß ich Nicht widerspänstiger sei als Wind und Meer, das dir gehorsam gewesen; sondern in allem durch deine Kraft gern thue, was dir gefällt. Hilf mir, mein Heiland, und gieb dem schwachen Fleische immerdar einen willigen und gehorsamen Geist. Amen.

V. Die Fußtapfen der Sanftmuth.

Ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig, sind Christi eigene Worte, Matth. 11. V. 29. Und so erwies er sich gegen alle Mühselige und Beladene, die er erquickte; auch gegen seine Feinde, die er nicht schalt, ob er gleich gescholten ward, 1 Petr. 2. V. 23. Er hat uns eine Lehre gelassen, Scheltwort nicht mit Scheltwort zu vergelten, 1 Petr. 3. V. 9. auch nicht uns selbst zu rächen, Röm. 12. Seufzet indessen:

Gütigster HERR JESU! ich danke dir von Herzen, daß du auch die Gefäße des Zorns mit großer Geduld trägst. Gieb mir den Geist der Sanftmuth gegen alle Menschen, Erträglichkeit gegen alle meine Feinde und Freundlichkeit gegen alle, mit denen ich umzugehen habe. Was mir geschieht, befehle ich dir, doch mehr zur Barmherzigkeit als zur Gerechtigkeit; ich vergebe, daß auch mir vergeben werde; gieb du mir aber, mein Heiland, allezeit zu thun, was dir gefällig ist, um deiner Liebe und Sanftmuth willen. Amen.

VI. Die Fußtapfen der Aufrichtigkeit und Wahrheit.

Welcher unter euch kann mich einer Sünde zeihen? so ich euch aber die Wahrheit sage, warum glaubet ihr mir nicht? So redete Christus zu seinen Feinden, Joh. 8. V. 46. und sie gaben ihm selbst das Zeugniß, daß er aufrichtig rede, Luc. 20. Wir sind alle schuldig, vor Gott aufrichtig zu wandeln, Mal. 2, die Wahrheit zu reden von Herzen, Psalm 15. V. 2. und sie zu vertheidigen bis in den Tod, Sir. 4. V. 33. Betet hierum:

Liebster HERR JESU! Aufrichtigkeit ist dir angenehm, du selbst bist der Weg. die Wahrheit und das Leben. Ich rufe dich demüthigst an, du wollest mir durch deine Kraft beistehen, daß ich allenthalben aufrichtig gegen dich und die Menschen erfunden werde, und wann es deines Namens Ehre und meines Nächsten Nothdurft erfordert, die Wahrheit nimmer verhehle, auf daß mein Herz und Mund allezeit in deiner Gemeinschaft bleibe, bis ich zu dir in die ewige Wahrheit erhoben werde. Amen.

VII. Die Fußtapfen der Demuth.

Christus wusch aus Demuth seinen Jüngern selbst die Füße; denn ob er wohl in göttlicher Gestalt war, hielt er's nicht für einen Raub, Gott gleich sein, sondern entäußerte sich selbst, nahm Knechtsgestalt an und erniedrigte sich selbst. Darum hat ihn Gott auch erhöhet und ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, Phil. 2. V. 6. Und wir werden ermahnt, ihm gleich zu werden, Demuth und Sanftmuth anzuziehen, Coloss. 3. Seufzet derowegen:

HERR JESU! der du wohnest bei denen, die demüthigen Geistes sind, laß mich vor deinem Vater und dir allezeit demüthig erfunden werden, daß mein Gebet dir gefalle und ich Gnade in allem Anliegen finde, auch mich über nichts erhebe als über den Teufel und die Sünde. Das hilf mir, o JESU, um deines demüthigen Herzens willen. Amen.

So geh', HErr vor, ich folge nach,
Und will dich an der Seiten
Durch allen schwarzen Kidrons-Bach
Mit Freudigkeit begleiten.
Durch Feu'r und Nasser, Berg und Thal,
Durch Kreuz und Trübsal überall,
Nichts soll mich von dir scheiden;
Nichts soll mich von dir reißen ab,
Bis an mein letztes kühles Grab,
Nicht Tod, nicht Noth noch Leiden.